Blanche Église

Stätte Kanton Bern · Ehemaliger Bezirk: La Neuveville · Unbewohnte Stätte (Gemeinde La Neuveville)
Gehört zur Gemeinde La Neuveville

Herkunft des Namens Blanche Église

Das Gotteshaus erscheint am 19. März 866 als «Sancti Ursicini capella», Kapelle des heiligen Ursicinus, dem es geweiht war. Seit 1276 heisst es Blanche Église, und die neu gebaute Kirche wird 1345 unter dem Namen «Ecclesia Alba» geweiht.[1][2][4][5]

Gründung von Blanche Église

Die Kirche steht am Rand des mittelalterlichen Städtchens über der Strasse nach Biel, an einem Ort, der seit der Bronzezeit bewohnt war. Ein erster kleiner Sakralbau entsteht hier in vorkarolingischer Zeit, wohl im 8. Jahrhundert, lange vor der Stadtgründung. Die Kapelle gehört zuerst der Abtei Moutier-Grandval, dann der Abtei Bellelay, die hier Zehnten bezieht und das Patronat erhält.[1][2][3][5]

Geschichte von Blanche Église

8. Jahrhundert. Eine kleine vorkarolingische Kapelle wird gebaut.[2][3]

866. Am 19. März nennt eine Urkunde Lothars II., welche die Güter der Abtei Moutier-Grandval bestätigt, die Kapelle Saint-Ursanne.[1][2][4]

Kurz vor dem Jahr 1000. Der erste Chor wird errichtet.[2][3]

1141. Die Kapelle und ihr Zubehör kommen an die Abtei Bellelay. Die Päpste bestätigen die Schenkung 1148, 1181 und 1185.[2][4]

Um 1200. Nördlich des Chors entsteht der Turm.[2][3]

1276. Das Gotteshaus heisst nun Blanche Église.[1]

1345. Am 14. September weiht Fürstbischof Johann Senn von Münsingen die weitgehend neu gebaute Kirche mit spitzbogiger Decke.[2][4][5]

1458. Erweiterte Kapellen im Norden und Süden geben der Kirche etwa ihre heutige Grösse.[2][3][4]

Ende 17. Jahrhundert. Nach der Reformation verliert die Blanche Église an Bedeutung zugunsten der Katharinenkapelle, die 1720 zum Temple wird.[2][3]

1721. Das Untergeschoss des Turms, dessen Spitze 1708 erneuert wurde, wird zum Pulvermagazin.[2][3]

1828. Ein Abbruchprojekt scheitert mit einer Stimme Unterschied.[2]

1837. Die baufällige Nordkapelle wird abgebrochen, die Nordmauer 3 m weiter südlich neu gebaut und die spitzbogige Decke durch eine flache ersetzt. Im Westen kommt eine neugotische Vorhalle hinzu.[2][3]

1912-1914. Bei der Restaurierung des Chors kommen die Fresken wieder zum Vorschein. 1914 erhält die Kirche eine Rundbogendecke und geschnitzte Leuchter, ein Geschenk von Edouard Louis senior.[2][3][4][5]

1984-1988. Archäologische Grabungen und erneute Restaurierung. Die Kirche wird 1988 mit einer Orgel von 16 Registern der Manufacture de Saint-Martin wieder eröffnet.[1][2][3][4]

Historische Orte in Blanche Église

Wandmalereien. Die Fresken stammen aus der zweiten Hälfte des 14. und dem frühen 15. Jahrhundert. Im Schiff sieht man die Erschaffung Evas, die Segnung des ersten Paares und eine Anbetung der Könige mit fünf Königen. Der Chor zeigt die betende Jungfrau mit der Inschrift «Ave Maria gratia plena», das Antlitz Christi auf dem Schweisstuch der Veronika und im Gewölbe die vier Evangelisten. Der übrige Bau erhielt 1639 eine barocke Ausmalung.[2][3][5]

Kanzel von 1536. Sie trägt die Wappen des Kastlans Vincent de Gléresse und seiner Gattin Hélène de Luternau.[2][3]

Glasfenster. Das Chorfenster, 1907 von Professor Kocher aus Bern und seiner Gattin gestiftet, zeigt das Stadtwappen mit dem Spruch «Des Herren Wort bleibet in Ewigkeit». Die Fenster im Schiff von 1920 und 1936 stammen vom Walliser Künstler Bille.[2][3]

Taufstein. In der Reformation zum Abendmahlstisch umgewandelt und in den Chor versetzt, erhielt er 1988 seinen Platz und seine Aufgabe zurück.[2][3]

Überreste in Blanche Église

Siedlungen unter der Kirche. Die Grabungen von 1984-1988 fanden eine bronzezeitliche Steinsetzung für ein Wohnhaus, um 2000 v. Chr., ein eisenzeitliches Holzhaus, um 300 v. Chr., und einen römischen Plattenboden unter den Resten der ersten Kapelle.[2][3][4]

Quellen

  1. Dictionnaire historique de la Suisse, « Neuveville, La (commune) » (Pierre-Olivier Léchot, version du 21.10.2019)
  2. Paroisse réformée de La Neuveville, « La Blanche Église » (histoire)
  3. Visite d'église, « Blanche Église (La Neuveville) »
  4. Chronologie jurassienne, « Blanche-Eglise » (La Neuveville, églises)
  5. Monuments vaudois, résumé de l'article de Philippe Boillat, « Les peintures murales médiévales de la Blanche Eglise de La Neuveville » (n° 8, 2018)

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