Château de Gruyères
Herkunft des Namens Château de Gruyères
Das Schloss trägt den Namen von Gruyères, das 1138-1139 als « de Grueri » erscheint. Der Kranich im gräflichen Wappen hat seine eigene Legende, die des ersten Grafen Gruérius.[1][3]
Gründung von Château de Gruyères
Die Grafen von Gruyère errichteten das Schloss auf dem Hügel, der das obere Saanetal beherrscht, und das Städtchen entstand um die Burg herum. Die ältesten Teile reichen in den Anfang des 13. Jahrhunderts zurück. Als Vasallen der Savoyer gaben die Grafen ihrer Burg die Form eines « carré savoyard », mit einem grossen, freistehenden Rundturm an der Südostecke. Seit den 1070er Jahren sind neunzehn Grafen bezeugt, und das Geschlecht zählt zu den langlebigsten Dynastien Europas im Mittelalter. Von Gruyères aus hielten sie Gebiete beidseits der Saane sowie die Herrschaften Palézieux, Oron und Aubonne.[1][2][3][4]
Geschichte von Château de Gruyères
1244. Die Burg erscheint erstmals in den Archiven, bei der Huldigung von Graf Rudolf III. an Peter II. von Savoyen.[3][4]
1270-1282. Unter Peter III. und der savoyischen Verwaltung wird das Schloss nach dem Vorbild des « carré savoyard » gebaut.[2]
1476-1540. Die Grafen Louis und François II. lassen die Esplanade und die Kapelle anlegen und den Wohnbau umgestalten. Steinerne Galerien und ein Treppenturm machen aus der Festung einen herrschaftlichen Wohnsitz.[2][3][4]
1493. Ein Brand trifft das Schloss, mehrere Teile werden danach wieder aufgebaut.[1]
1554. Der verschuldete Graf Michel tritt seine Güter an seine Gläubiger Bern und Freiburg ab.[3][4]
1555-1798. Zweiundfünfzig Freiburger Landvögte regieren die ehemalige Grafschaft vom Schloss aus. Sie erweitern die Alpweiden und lassen den Käse über den Genfersee und die Rhone bis nach Lyon ausführen.[2][3][4]
1685-1686. Meister Cuen bemalt den Landvogteisaal, die erste der barocken Ausstattungen der Landvögte, die 1731-1771 weitergeführt werden.[2][3]
1746-1747. Der Burggraben wird zugeschüttet.[2]
1798-1848. Sieben Präfekten des Bezirks Gruyères folgen auf die Landvögte. 1848 zieht die Präfektur nach Bulle, und das als zu kostspielig geltende Schloss wird versteigert.[2][3][4]
1849. Der Staat Freiburg verkauft das Schloss an die Genfer Familie Bovy. Die Brüder John, Daniel und Antoine machen es zu ihrem Sommersitz.[1][2][3][4]
1852-1862. Daniel Bovy, ein ehemaliger Schüler von Ingres, leitet eine romantische Restaurierung und lässt das Troubadour-Dekor des Rittersaals malen.[2][3]
1857. Camille Corot und Barthélemy Menn malen gemeinsam mehrere Landschaften. Corot schafft die vier Medaillons des nach ihm benannten Salons.[2][3]
1861. Durch Heirat geht das Schloss an die Uhrenindustriellen Balland über. Louis-Émile Balland, Schwiegersohn von John Bovy, setzt das Werk der Bovy fort.[1][2][3]
1938. Der Staat Freiburg kauft das Schloss von den Balland zurück (laut einer anderen Quelle 1939) und macht daraus ein historisches Museum, das 1939 für das Publikum öffnet.[1][2][3][4]
1938-1948. Edmond Lateltin leitet die Restaurierung des Schlosses.[2]
1978-1997. Das Museum wird neu eingerichtet.[2]
1993. Der Kanton überträgt Erhaltung und Betrieb des Schlosses der Fondation du Château de Gruyères.[3]
2025. Das Schloss empfängt 188'639 Besucher. Es ist das zweitmeistbesuchte Schloss der Schweiz.[3]
Historische Orte in Château de Gruyères
Wohnbau und Bergfried. Das Schloss bewahrt seinen Grundriss eines « carré savoyard ». Zwei Bronzeschilde von Patrick Woodroffe aus den Jahren 1997 und 1999 schmücken den Bergfried. Die Anlage mit Concierge-Haus, Kapelle Saint-Jean und Ringmauer ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung.[2][5]
Säle des Museums. Der Rittersaal zeigt einen Bilderzyklus über das goldene Zeitalter der Grafen und die Sagen der Region. Der Salon Corot bewahrt seine vier Landschaftsmedaillons von 1857, ein Musiksalon ein um 1835 von Johann Wilhelm Braschoss für Franz Liszt gebautes Hammerklavier. Die ausgestellten schwarzen Samtchormäntel wurden Karl dem Kühnen in der Schlacht bei Murten (Morat) 1476 abgenommen.[2][3]
Kapelle Saint-Jean-Baptiste. Die Kapelle der Grafen liegt in einem Turm aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und ist auf 1480 datiert. Sie bewahrt Wandmalereien, die Hans Offleter dem Älteren zugeschrieben werden (1560), Glasfenster, die Jean de Bolaz dem Jüngeren zugeschrieben werden (1480-1493), und einen kleinen Renaissance-Altar um 1530.[1][2]
Ringmauer und Nebengebäude. Der Empfang befindet sich im ehemaligen Landvogteistall mit einer Tuffsteinöffnung von etwa 1350 und einem Dachstuhl von 1564. Im Hof trägt ein Brunnen unter einem Tuffsteinhäuschen die Jahreszahl 1752 und den Namen Nicolas Gachet. Das alte Zeughaus von etwa 1553-1555 wurde 1570 aufgestockt und 1586-1587 mit Holzgalerien versehen. Im Osten liegen der ehemalige Fluchtbezirk aus dem späten 15. Jahrhundert mit seinem fünfeckigen Pulverturm und ein französischer Garten.[2][3]
Sagen von Château de Gruyères
Gruérius und der Kranich. Der Sage nach sah der erste Graf, Gruérius I., einen Kranich über dem Hügel kreisen und wählte diesen Vogel zu seinem Wahrzeichen. Im 19. Jahrhundert pflegen die Bovy und Louis-Émile Balland die Legende des Schlosses, die Erzählungen, Führer, Postkarten und Volksfeste gegen Ende des Jahrhunderts verbreiten.[3]
Quellen
- Dictionnaire historique de la Suisse, « Gruyères (commune) » (Jean-Marc Purro, version du 24.07.2006)
- Inventaire suisse des biens culturels (PBC), fiche « Château des comtes de Gruyère » (KGS 02192), texte du Guide artistique de la Suisse (SHAS)
- Château de Gruyères, « Art, histoire & légendes », dossier de presse (2026)
- Château de Gruyères, « Eight centuries of history »
- Office fédéral de la protection de la population, « Révision Inventaire PBC 2021 : Liste cantonale Canton de FR » (état au 1.1.2026)
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