Collégiale de Saint-Imier
Herkunft des Namens Collégiale de Saint-Imier
Die Kirche ist dem heiligen Imier geweiht, dessen Reliquien aus der Kapelle Saint-Martin hierher gebracht wurden. Den Namen Stiftskirche verdankt sie dem Chorherrenstift, das sie betreute und dessen Propst 1177 erwähnt wird.[1]
Gründung von Collégiale de Saint-Imier
Das Stift ist älter als 1177 und ging wahrscheinlich aus einem frühmittelalterlichen Kloster hervor, das sich an der Grabstätte des Einsiedlers Imier gebildet hatte. Die ältesten Teile der Kirche stammen aus dem 11. Jahrhundert, möglicherweise über den Fundamenten eines älteren, turmlosen Baus. Die Statuten von 1317 beschränken das Stift auf zwölf Chorherren, die selten vor Ort wohnen. Es besitzt das Kollaturrecht über die Pfarreien Tramelan, Dombresson und Serrières sowie Güter im Tal, am Bielersee und im Neuenburger Land, aber keine Herrschaftsrechte.[1][2]
Geschichte von Collégiale de Saint-Imier
11. Jahrhundert. Bau der ältesten Teile der Kirche, in zwei Etappen, die vor allem an den Seitenschiffen ablesbar sind. Die Reliquien des heiligen Imier werden aus der Kapelle Saint-Martin hierher übertragen.[1][2]
1146. Die Kirche hängt nicht mehr von Moutier-Grandval ab. Am 15. Mai bestätigt eine Bulle von Papst Eugen III. die Rechte des Bistums Basel über Saint-Imier.[1][3]
1177. Theodericus von Neuenburg, der erste bekannte Propst des Stifts, ist zugleich Dekan des Dekanats Saint-Imier.[1]
1178. Am 25. November bestätigt Papst Alexander III. die Besitzungen der Kirche von Saint-Imier.[3]
1299. Am 21. Oktober verzichten die Grafen von Aarberg, Herren von Valangin, zugunsten der Kirche auf ihre Rechte in Dombresson.[3]
1317. Statuten legen die Zahl der Chorherren auf höchstens zwölf fest.[1]
1335. Das Stift schliesst einen Burgrechtsvertrag mit Biel.[1]
1479. Biel erhält das Recht, die Ernennung der Chorherren zu bestätigen, und die Vogtei. Zwei Versuche, das Stift nach Biel zu verlegen, scheitern.[1]
1512. Am 27. April brennt der Turm. Die Vierung erhält wohl nach diesem Brand ihr Kreuzrippengewölbe.[2][3]
1530. Biel führt die Reformation im Tal ein. Die Chorherren, ausser dreien, leisten Widerstand und fliehen dann, das Stift wird aufgehoben.[1]
1574. Nach dem Tod des letzten Chorherrn fallen die Güter an den Fürstbischof von Basel.[1]
1752. Die Kirchgemeinde kauft die 1749 von Johann-Conrad Speisegger für den Temple von Neuenburg gebaute Orgel.[3]
Um 1810. Die Seitenapsiden werden abgebrochen.[2]
1839-1840. Das achteckige Glockengeschoss wird dem Turm aufgesetzt.[2]
1886. Mehrfarbige Fresken werden entdeckt.[3]
1925-1930. Der Architekt Louis Bueche führt eine Gesamtrenovation durch (1927-1930 nach einer anderen Quelle). Er entfernt Verputz und Holzwerk des 17. und 18. Jahrhunderts, rekonstruiert die Seitenapsiden und fügt im Süden einen neuen Eingang hinzu.[1][2]
1930. Ernst Correvon restauriert den Christus der Apsis. Die restaurierte Kirche wird am 21. September eingeweiht.[2][3]
1939-1940. Das Glockengeschoss wird in veränderter Form ersetzt. Drei neue Glocken der Giesserei Rüetschi in Aarau läuten am 31. Dezember 1939 zum ersten Mal.[2][3]
1982-1983. Erneute Restaurierung. 1983 stellt die Berner Regierung die Stiftskirche unter vollständigen Schutz. Am 4. Januar 1984 wird sie dem Gottesdienst zurückgegeben.[1][3]
1986. Am 3. Mai wird eine neue Orgel eingeweiht (1985 nach einer anderen Quelle).[2][3]
Historische Orte in Collégiale de Saint-Imier
Romanische Basilika. Dreischiffige Kirche mit niedrigem, leicht vorspringendem Querhaus und drei Apsiden. Das Schiff mit sechs Jochen und flacher Decke ruht auf Vierkantpfeilern. Das schmucklose Äussere hat Rundbogenöffnungen.[1][2]
Frontturm. Sein Unterbau stammt aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Die Vorhalle birgt spätromanische Dienste mit Blatt- und Fratzenkapitellen. Im ersten Obergeschoss liegt die ehemalige Michaelskapelle mit ihrer Altarnische.[2]
Apsismalereien. Die Kalotte der Mittelapsis bewahrt die Umrisse eines thronenden Christus in der Mandorla, wohl aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, mit den Evangelistensymbolen.[2]
Glocken. Zwei Glocken aus dem 15. Jahrhundert, eine davon mit einem Relief des heiligen Imier, zwei von 1612 und drei Rüetschi-Glocken von 1939.[2]
Grabplatte. Grabplatte von 1655 für Jacob Beynon, Kastlan des Erguel.[2]
Überreste in Collégiale de Saint-Imier
Skulpturfragmente. 1927 wurde auf dem Dachboden eine Sammlung verzierter und beschrifteter Steinfragmente entdeckt.[2]
Ehemalige Portale. 1891 kamen die Reste von drei alten Portalen zum Vorschein.[3]
Sagen von Collégiale de Saint-Imier
Königin Bertha als Gründerin. Eine seit dem 15. Jahrhundert bezeugte Überlieferung schreibt die Gründung der Stiftskirche Königin Bertha zu, der Gattin Rudolfs II. Auguste Quiquerez greift sie 1852 auf. Weder die Schriftquellen noch die Archäologie bestätigen sie.[4]
Quellen
- Dictionnaire historique de la Suisse, « Saint-Imier (chapitre) » (Kathrin Utz Tremp), version du 20.02.2018
- Office fédéral de la protection de la population, Inventaire suisse des biens culturels (PBC), fiche KGS 01245 « St-Imier, ehemalige Stiftskirche »
- Chronologie jurassienne (Denis Moine, Archives cantonales jurassiennes, Archives de l'État de Berne, Mémoires d'Ici), « Saint-Imier, Églises, Collégiale »
- Mémoires d'Ici, « Des fondations légendaires : les exemples de la reine Berthe à Saint-Imier et du prévôt Siginand à Bellelay », Les dossiers de Mémoires d'Ici, février 2007
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