Pleigne
Herkunft des Namens Pleigne
Namensherkunft: Ersterwähnung 1179 als « Plenna »; der alte deutsche Name lautet « Pleen ». Die Etymologie des Namens wird in den konsultierten Quellen nicht erklärt.
Gründung von Pleigne
Pleigne wird 1179 erstmals erwähnt, die Pfarrei 1188; weder der Gründer des Dorfes noch die Umstände seiner Entstehung sind bekannt. Das Gebiet war schon viel früher besiedelt: Die Fundstelle Löwenburg auf dem Gemeindegebiet wurde bereits im Mittelpaläolithikum wegen ihres Silex aufgesucht. Im Mittelalter besass das Zisterzienserkloster Lucelle, 1123-1124 von den Grafen von Montfaucon auf einem Grundstück der Basler Kirche gegründet und gleich jenseits der Grenze gelegen (heute Gemeinde Lucelle im Haut-Rhin, Frankreich), den Grossteil der Ländereien, Wälder und Zehnten von Pleigne. Das Dorf gehörte zu den dreizehn « Freidörfern » des Delsberger Tals, einer Herrschaft des Fürstbistums Basel.
Geschichte von Pleigne
Mittelpaläolithikum. Im Moustérien, vor rund 75'000 bis 65'000 Jahren, bauen Neandertaler den Silex der Fundstelle Löwenburg ab.
9000-8000 v. Chr.. Mindestens zwei Schlagplätze des Epipaläolithikums, die dem Homo sapiens zugeschrieben werden, entstehen in Löwenburg.
Um 4000 v. Chr.. Im Neolithikum werden in Löwenburg kleine, wenig tiefe Bergbaustollen gegraben; der gewonnene Silex wird namentlich zu den Seeufersiedlungen am Jurasüdfuss gebracht.
10. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammen die ältesten Reste der Burg Löwenburg, erbaut von der aus dem Sundgau stammenden Familie Löwenberg.
1123-1124. Gründung des Pleigne benachbarten Zisterzienserklosters Lucelle durch die Grafen von Montfaucon auf einem Grundstück der Basler Kirche.
1179. Ersterwähnung des Dorfes: « Plenna ».
1188. Ersterwähnung der Pfarrei.
1200. Die Familie Löwenberg nimmt einen Löwen in ihr Wappen auf.
13.-14. Jahrhundert. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts geht die Burg Löwenburg an den Grafen von Pfirt (Ferrette), im 14. Jahrhundert an die Habsburger über.
1389. Das Dorf wird an die Grafen von Thierstein verpfändet.
1454. Das Fürstbistum Basel löst Pleigne wieder aus.
1526. Die Basler Familie Münch tritt Löwenburg an das Kloster Lucelle ab; die Mönche verlassen die Burg zugunsten des Freihofs (franche-courtine), den sie umbauen und befestigen.
1583-1597. Unter Abt Beat Bapst entstehen in Löwenburg Wohn- und Verwaltungsgebäude, ein Torturm, eine Kapelle und eine Ringmauer.
17. Jahrhundert-1793. Die Pfarrei Pleigne ist mit jener von Bourrignon vereinigt.
1638. Im Dreissigjährigen Krieg wird das Kloster Lucelle zerstört; Löwenburg dient den Mönchen als Zufluchtsort.
1787. Neubau der Kirche Saints-Pierre-et-Paul.
1792. Die Klostergemeinschaft von Lucelle wird zerstreut; nach der Revolution geht das Gut Löwenburg in Privatbesitz über.
1793-1815. Pleigne gehört zu den französischen Departementen Mont-Terrible, dann Haut-Rhin.
1815-1978. Pleigne gehört zum Kanton Bern.
1956. Die Basler Christoph Merian Stiftung erwirbt Löwenburg, restauriert das Gut und baut dort eine bedeutende Rinderzucht auf.
1959-1967. Ausgrabung der Burgruine Löwenburg.
Bevölkerung von Pleigne
| 1818 | 368 |
| 1850 | 443 |
| 1900 | 418 |
| 1950 | 434 |
| 2000 | 408 |
| 2010 | 386 |
| 2025 | 368 |
Historische Orte in Pleigne
Kirche Saints-Pierre-et-Paul. Pfarrkirche, 1787 neu gebaut, mit einem Vorhallenturm mit Kuppel freigrafschaftlicher Art; die Pfarrei ist seit 1188 bezeugt.
Gut Löwenburg. Ehemaliger Freihof (franche-courtine) des Klosters Lucelle, von den Mönchen nach 1526 befestigt. Abt Beat Bapst (1583-1597) liess Wohn- und Verwaltungsgebäude, einen Torturm, eine spätgotische Kapelle mit fünfeckigem Chor und eine Ringmauer errichten. Im 18. Jahrhundert kamen unter anderem das Pächter- und Gästehaus sowie eine Molkerei hinzu, die heute ein Museum ist. Das Gut gehört seit 1956 der Christoph Merian Stiftung in Basel.
Moulin-Neuf und Mühle Bavelier. Zur Gemeinde gehören das Gasthaus Moulin-Neuf und die ehemalige, Anfang des 18. Jahrhunderts erbaute Mühle Bavelier sowie mehrere ehemalige Höfe des Klosters Lucelle.
Bauernhäuser des Dorfes. Das Bauerndorf Pleigne bewahrt zahlreiche niedrige Bauernhäuser mit Vorplatz (devant-huis).
Überreste in Pleigne
Prähistorische Fundstelle Löwenburg. Der Kalkuntergrund aus dem Kimmeridgium enthält Silexknollen und -platten. Neandertaler bauten ihn im Moustérien vor rund 75'000 bis 65'000 Jahren ab; ihr sorgfältig gearbeitetes Werkzeug mit zahlreichen Schabern in Levallois-Technik macht Löwenburg nach Alle zur zweitwichtigsten Fundstelle dieser Art in der Schweiz. Mindestens zwei Schlagplätze des Epipaläolithikums (9000-8000 v. Chr.) werden dem Homo sapiens zugeschrieben. Die Stelle wurde im Mesolithikum und im Neolithikum erneut genutzt, mit kleinen Bergbaustollen um 4000 v. Chr.
Burgruine Löwenburg. Burg auf einem Felssporn am Südhang des Lützeltals. Ihre zwischen 1959 und 1967 ausgegrabenen Ruinen reichen ins 10. Jahrhundert zurück. Von den Löwenberg erbaut, ging sie an die Grafen von Pfirt, die Habsburger und dann an die Münch, die sie 1526 dem Kloster Lucelle abtraten; die Mönche verliessen sie danach zugunsten des benachbarten befestigten Hofes.
Quellen
- Dictionnaire historique de la Suisse, « Pleigne » (François Kohler)
- Dictionnaire historique de la Suisse, « Löwenbourg » (François Schifferdecker)
- Dictionnaire historique de la Suisse, « Lucelle » (André Chèvre)
- Jura Trois-Lacs, « Löwenburg »
- Statistique Jura, tableau JU-T.01.01.03, population résidante permanente au 31 décembre 2025
- geo.admin.ch (swisstopo), recherche de lieux « Pleigne »
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