Grottes de Saint-Brais

Stätte Kanton Jura · Bezirk: Franches-Montagnes · Unbewohnte Stätte (Gemeinden Saint-Brais und Haute-Sorne)
Gehört zur Gemeinde Saint-Brais

Herkunft des Namens Grottes de Saint-Brais

Die Stätte trägt den Namen des Dorfes Saint-Brais, östlich dessen sich die drei Höhlen öffnen, die von den Ausgräbern mit I, II und III nummeriert wurden. Höhle II wird nach ihrem Ausgräber Frédéric-Edouard Koby auch « Creux Koby » genannt.[2][4]

Gründung von Grottes de Saint-Brais

Die drei durch Wassereinsickerungen in den Fels gegrabenen Höhlen von Saint-Brais öffnen sich am Fuss einer Felswand oberhalb des Restaurants de la Roche, östlich des Dorfes Saint-Brais, auf 950 bis 1'000 m ü. M., am Übergang zwischen der Hochebene der Freiberge und dem westlichen Ende des Delsberger Beckens. Die Höhlen I und II liegen auf dem Gebiet von Glovelier (Gemeinde Haute-Sorne), Höhle III auf jenem von Saint-Brais. Die Abris « Saint-Brais I und II » und « Le Mont / Saint-Brais III » sind Kulturgüter von nationaler Bedeutung (eidgenössisches KGS-Inventar). Vom Paläolithikum bis zur Bronzezeit dienten sie Menschen und Tieren, vor allem dem Höhlenbären, als Zuflucht. Man weiss nicht, ob sich Menschengruppen zufällig folgten oder ob die Höhlen bei Streifzügen ins Gebirge vom Delsberger Becken aus als Unterschlupf dienten. Der Augenarzt Frédéric-Edouard Koby erforschte sie von 1935 bis in die 1960er Jahre.[1][2][3][5]

Geschichte von Grottes de Saint-Brais

Mittelpaläolithikum. Jäger des Moustérien hinterlassen in den Höhlen I und II Abschläge und Schaber aus Silex, Lydit, Hornstein und Quarzit.[2]

Um 40'000-35'000 v. Chr.. Ein oberer linker Schneidezahn eines Neandertalers bleibt in Höhle II zurück.[1][2]

Um 10'000 v. Chr.. Bearbeitete Silices (Kratzer, Spitzen, Klingen) und Knochenwerkzeuge vom Ende der Eiszeit in Höhle I. Feuerstellenspuren und azilienzeitliche Silices in Höhle II.[1]

Jungsteinzeit. Eine Feuerstelle und einige Keramikscherben zeugen von einer Nutzung der Höhle I.[1][2]

1450-1200 v. Chr.. Die drei Höhlen dienen am Ende der mittleren und zu Beginn der späten Bronzezeit als Wohnstätte oder Zuflucht: Sie lieferten zahlreiche Keramikfunde.[1]

1935. Frédéric-Edouard Koby erforscht die Höhlen mit Albert Perrone (Schreibweise unsicher) und Edmond Guéniat und entdeckt Knochen. Seine Forschungen dauern bis in die 1960er Jahre.[1][2][4]

1938. Koby veröffentlicht « Une nouvelle station préhistorique : les cavernes de Saint-Brais ».[2][4]

1955. Am 4. September entdeckt Koby in Höhle II in 2,9 m Tiefe einen Neandertaler-Schneidezahn: der erste in der Schweiz bekannte Neandertalerrest.[1][2]

1956. Koby veröffentlicht den Neandertaler-Schneidezahn in den Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel.[2]

1967. P. Reusser gräbt in Höhle II.[2]

1970. Eine Ausstellung in Basel zeigt Kobys Ausgrabungen in der Höhle von Saint-Brais.[4]

1994. M. Schenardi veröffentlicht eine Studie über die Bronzezeit im Kanton Jura, die das Fundmaterial der Höhlen einschliesst.[2]

2015. Im April wird das Gitter, das Höhle II schützt, aufgebrochen vorgefunden, mit Eimern und Werkzeugen: Die Sektion Archäologie und Paläontologie des Kulturamts erstattet nach Raubgrabungen Anzeige und lässt das Gitter wieder sichern.[2][3][4]

Historische Orte in Grottes de Saint-Brais

Höhle I. Die grösste der drei Höhlen, nach Süden ausgerichtet, mit zwei Eingängen und einer Fläche, die über 200 m² betragen soll. Ihre Wände sind durch das wiederholte Reiben der Höhlenbären poliert.[2]

Höhle II. Raum von etwa 8 auf 10 m, der durch einen Gang mit einem Schacht verbunden sein soll, mit einem Schutzgitter verschlossen. Hier wurde der Neandertaler-Schneidezahn gefunden.[2]

Höhle III. Höhle, die zwei Eingänge nach Süden und Südosten haben soll und in der Koby eine paläolithische Feuerstelle beobachtete; die Höhlenbärenschicht fehlt hier.[2]

Überreste in Grottes de Saint-Brais

Neandertaler-Schneidezahn. Oberer linker Schneidezahn eines Menschen des Moustérien, 1955 in einer natürlichen Nische der Höhle II gefunden, auf etwa 40'000 v. Chr. datiert; zusammen mit einem Oberkiefer aus der Höhle von Cotencher (Neuenburg) einer der beiden ältesten Menschenreste der Schweiz.[1][2]

Eiszeitliche Fauna. Über 90 % der Knochen stammen vom Höhlenbären. Dazu kommen Arten eines kalten Klimas (Höhlenlöwe, Gämse, Murmeltier, Steinbock, Schneemaus, Halsbandlemming) und eine jüngere Fauna (Pferd, Hirsch, Wildschwein, Fuchs). Eine C14-Datierung von Bärenknochen aus Höhle II ergibt mindestens 30'000 v. Chr.[1][2][3]

Bronzezeitliches Fundmaterial. Fast 900 Scherben in Höhle I, einige mit Kerbschnittverzierung, ein Mühlsteinfragment, Schlagsteine aus Geröll und ein Fragment eines Bronzearmbands, der einzige Metallgegenstand. Etwa zwanzig Scherben von zwei Töpfen in Höhle II und 124 Scherben in Höhle III.[1][2]

Menschenreste aus Höhle I. In einer Zwischenschicht Schädelfragmente eines 15- bis 18-jährigen Jugendlichen, vielleicht Reste eines verbrannten Körpers, zusammen mit zwei Knochenahlen.[2]

Quellen

  1. Dictionnaire historique de la Suisse, « Saint-Brais » (François Schifferdecker, François Kohler)
  2. Office de la culture du Jura, Section d'archéologie et paléontologie, « Les grottes de Glovelier et Saint-Brais »
  3. RFJ, « Sur les traces du passé : les grottes de St-Brais » (28 juillet 2026), document publié par la République et Canton du Jura
  4. Denis Moine, Chronologie jurassienne, « Saint-Brais »
  5. Office fédéral de la protection de la population (OFPP), Inventaire PBC, liste cantonale du canton du Jura (état au 1.1.2026)
  6. geo.admin.ch (swisstopo), recherche de lieux « St-Brais »

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