Lac de Schiffenen

Stätte Kanton Freiburg · Bezirk: Singine · Unbewohnte Stätte (Gemeinde Düdingen)
Gehört zur Gemeinde Düdingen

Herkunft des Namens Lac de Schiffenen

Der See, französisch Lac de Schiffenen, trägt den Namen von Schiffenen, einem der zahlreichen Weiler von Düdingen. Eine Schiffenenbrücke führte dort bis in die 1960er-Jahre zwischen Düdingen und Gurmels über die Saane. Der Name des Weilers bleibt unerklärt.[1][3]

Gründung von Lac de Schiffenen

Bis 1963 floss die Saane auf dem Grund eines Tals, das Düdingen von Bärfischen (Barberêche) trennte und nur durch eine kleine Brücke verbunden war. Die Freiburgischen Elektrizitätswerke (FEW, heute Groupe E), die mehr Strom brauchten, planten hier ein neues Wasserkraftwerk. Eine erste Studie sah auch vor, die Saane in den Murtensee umzuleiten, was verworfen wurde, weil es Folgen über den Kanton hinaus gehabt hätte. Der Kanton kaufte das zu überflutende Land, und eine 47 m hohe und 417 m lange Bogenstaumauer wurde errichtet. Der 12,7 km lange See mit 65 Millionen m³ Inhalt staut die Saane zwischen Barberêche, Düdingen, Freiburg, Granges-Paccot und Kleingurmels. Er ist einer der vier grossen Stauseen der Saane, und sein Bau stiess auf teils heftigen Widerstand.[2][3][4][5]

Geschichte von Lac de Schiffenen

Jungsteinzeit. Das Felsschutzdach im Schiffenengraben am Ufer der Saane ist besiedelt. Es lieferte Pfeilspitzen, Silexklingen und -abschläge sowie Keramikscherben aus dieser Zeit.[1]

1984-1989. Die Grabungen von 1984 und 1989 legen im Schutzdach eine Feuerstelle und eine Werkstatt frei, in der Beile aus Grünstein und Silex hergestellt wurden.[1]

1293. Die Burgen Grand-Vivy und Petit-Vivy, die heute über dem See stehen, werden erstmals erwähnt.[3]

1641. Beim Bad Bonn am Ufer der Saane wird eine Marienkapelle gebaut.[1]

17.-19. Jahrhundert. Das Bad Bonn, dessen Wasser als heilsam galt, erlebt seine Blütezeit.[3]

1858-1862. Die Grandfeybrücke, etwa 4 km von Freiburg, wird als Stahlfachwerk gebaut. 1925-1927 wird sie wegen der Elektrifizierung der Bahn in Beton neu errichtet.[3]

1885. Bau der Bonnbrücke. Der Brückenwart erhebt 20 Rappen Gebühr.[3]

1959. Am 20. und 24. November genehmigt der Freiburger Grosse Rat das Staumauerprojekt, nach Studien, die in den 1950er-Jahren begonnen hatten.[3][5]

1960. Im März beginnen die Vorarbeiten. Acht Häuser und Bauernbetriebe werden geräumt und abgebrochen.[3][5]

1962. Am 16. Juni wird am rechten Ufer der erste Beton gegossen. Die Bonnbrücke stürzt ein, mehrere Personen werden schwer verletzt. Am 4. Dezember wird die Aufrichte der Staumauer mit einem Feuerwerk gefeiert.[3][5]

1963. Ende September beginnt das Wasser hinter der im selben Jahr in Betrieb genommenen Staumauer zu steigen (der Einstau wird auch auf 1964 datiert). Es verschluckt die Kapelle von Bad Bonn und die Hälfte des Schutzdachs im Schiffenengraben.[1][2][3][6]

1964. Am 17. Februar sprengt das Militär die Reste der versunkenen Bauten.[3]

1983. In der Nähe der Staumauer eröffnet ein Campingplatz mit 260 Standplätzen, Restaurant, Schwimmbad und Minigolf.[3]

2007-2009. Wegen der PCB-Belastung gilt vom 28. August 2007 bis zum 1. Januar 2009 ein totales Fischereiverbot.[3]

2018. Im Sommer entzieht eine Algenblüte dem See ab 5 m Tiefe den Sauerstoff, und in der Saane unterhalb sterben Fische. Groupe E lässt rund 4 Millionen m³ Oberflächenwasser ungenutzt ab.[7]

Historische Orte in Lac de Schiffenen

Staumauer Schiffenen. Bogenstaumauer von 417 m Länge und 47 m Höhe aus 185'000 m³ Beton. Ihre Krone auf 532 m ü. M. trägt die Strasse, welche die überfluteten Wege ersetzt. Das Kraftwerk am Fuss der Mauer erzeugt mit zwei Kaplan-Turbinen im Mittel 133 Millionen kWh pro Jahr, genug für über 26'000 Haushalte.[4][5][6]

Magdalena-Einsiedelei. In den Fels bei Räsch über dem See gehauen, ist sie 120 m lang und war über Jahrhunderte von Klausnern bewohnt.[1][3]

Burgen über dem See. Grand-Vivy und Petit-Vivy, dessen Wachtturm älter als 1293 geschätzt wird, stehen über dem linken Ufer. Das jüngere Schloss Ottisberg liegt gegenüber auf der Seite von Düdingen. Alle sind in Privatbesitz.[3]

Brücken. Im oberen Teil überquert der Eisenbahnviadukt von Grandfey den See, und die Autobahn A12 führt bei Granges-Paccot darüber.[3][4]

Überreste in Lac de Schiffenen

Bad Bonn. Im Weiler Bonn lag ein in der ganzen Schweiz bekannter Kurort: Bad, Mitteltrakt mit Saal, Wirtshaus und Marienkapelle von 1641. Kurz vor dem Abbruch diente er als Kulisse für den Film « Annebäbi Jowäger » nach Jeremias Gotthelf. Erhalten blieb nur der Altar der Kapelle, ein Werk der Reyff, der in der Kirche Düdingen wieder aufgebaut wurde.[1][3][4]

Schutzdach im Schiffenengraben. Dieser Felsvorsprung überragte einst den Lauf der Saane. Er gilt als älteste bekannte Siedlungsstelle des Kantons, und heute bedeckt das Seewasser die Hälfte davon.[1]

Versunkene Brücken und Kieswerk. Die Bonnbrücke, die Schiffenenbrücke und ein Kieswerk nahe der Staumauer verschwanden unter Wasser, ebenso die Auen, auf denen zwischen Düdingen und Pensier Kühe weideten.[3][4]

Quellen

  1. Dictionnaire historique de la Suisse, « Düdingen » (Denis Ramseyer et Olivier Aebischer, version du 13.03.2008)
  2. Dictionnaire historique de la Suisse, « Saane (Fluss) » (Anne-Marie Dubler, version du 21.06.2012)
  3. Verein O.S.K.A.R., « Schiffenensee : Das versunkene Saanetal » (livre et présentation, 2011)
  4. Baublatt, « Geflutete Idylle am Röstigraben » (18.09.2011)
  5. kran-info.ch, « Bau der Bogenstaumauer am Schiffenensee, 1960-1964 »
  6. Groupe E, « Barrage et centrale de Schiffenen »
  7. État de Fribourg (DIME), « Manque d'oxygène dans le lac de Schiffenen et dans la Sarine en aval du barrage de Schiffenen » (12.09.2018)

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