
St. Niklaus
Herkunft des Namens St. Niklaus
Die alten Formen lauten « chousun » (1233), « ecclesia Sancti Nicholai de Chouson » und « Gebreitun de Gazun » (1272), « in villa sti nicolai de chosun » (1388). Das 1272 für die Kirche belegte Nikolaus-Patrozinium gab der Pfarrei und später der Gemeinde den Namen; der Name St. Niklaus setzte sich im 19. Jahrhundert für die ganze Gemeinde durch. Die französische Form ist Saint-Nicolas. Im Dialekt soll der Ort « Zaniglas » heissen.[1]
Gründung von St. Niklaus
Gräber aus der Latènezeit und eine Grabstätte aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. belegen eine keltische Besiedlung (Uberer), welche die Alemannen im 8. und 9. Jahrhundert germanisieren. Im Mittelalter ist das Vizedominat Chouson ein Lehen des Bischofs von Sitten, in dem die von Raron (vor 1268), die vom Turn, die Blandrate und die de Platea nacheinander Herrschaftsrechte besitzen. Mit dem Ende der Adelsherrschaft bildet St. Niklaus ein selbstständiges Meiertum, dessen Meier die hohe Gerichtsbarkeit ausübt. Im Ancien Régime bildet dieses Meiertum mit dem Freigericht Kipfen und dem Meiertum Zermatt einen der Viertel des Zenden Visp. Die seit dem frühen 13. Jahrhundert belegte Pfarrei umfasst damals das ganze Tal. Zermatt, Täsch, Randa und Herbriggen lösen sich später davon. Die in vier Distrikte geteilte Gemeinde, deren Distrikte eigene Gemeinden wurden, wird zwischen 1820 und 1870 wiedervereinigt. Sie umfasst im Tal Riedmatten, Dorf, Stalu, Ze Schwidernu, Mattsand, Herbriggen und Breitmatten sowie Gasenried am Osthang.[1]
Geschichte von St. Niklaus
1. Jahrtausend v. Chr.. Grabstätte mit Armspangen und Schmuck, entdeckt 1971.[1]
Jüngere Eisenzeit (Latène). Etwa zwanzig Steinkistengräber, entdeckt 1881, zeugen von einer keltischen Besiedlung.[1]
8.-9. Jahrhundert. Germanisierung der keltischen Bevölkerung durch die Alemannen.[1]
Frühes 13. Jahrhundert. St. Niklaus ist als Pfarrei belegt.[1]
1233. Erwähnung als « chousun ».[1]
1234-1375. Die vom Turn besitzen Herrschaftsrechte, ebenso die Blandrate von 1249 bis 1365.[1]
1272. Ersterwähnung des Nikolaus-Patroziniums: « ecclesia Sancti Nicholai de Chouson ».[1]
um 1290. Zermatt löst sich von der Grosspfarrei.[1]
1365-1528. Die de Platea besitzen Herrschaftsrechte.[1]
1423. Täsch löst sich von der Grosspfarrei.[1]
1552. Angliederung der Kastlanei Randa-Täsch an das Meiertum St. Niklaus.[1]
17. Jahrhundert. Bau des Zwiebelturms, heute Wahrzeichen des Dorfes.[1]
1730. Randa löst sich von der Grosspfarrei.[1]
1798. Die vier Distrikte (Dorfmark, Innere Matt, Äussere Matt und Gasenried) werden Gemeinden. Die beiden Matt vereinigen sich vor 1820 wieder.[1]
1866. Die Dorfmark schliesst sich der wiedervereinigten Gemeinde an.[1]
1867. Die Gemeinde baut das Grand Hotel, weitere Hotels folgen.[1]
1870. Gasenried schliesst sich der Gemeinde an.[1]
1891. Die Bahn führt durch das Tal bis Zermatt. Ein Teil der Touristen hält nicht mehr in St. Niklaus.[1]
1933. Herbriggen löst sich von der Pfarrei.[1]
1937. Eröffnung der Strasse nach Visp.[1]
1947. Ansiedlung einer Zweigniederlassung der Scintilla im zur Fabrik umgebauten ehemaligen Grand Hotel, mit rund 300 Beschäftigten im ersten Jahr; die Abwanderung wird gestoppt.[1]
1955-1956. Bau des ersten Fabrikneubaus.[1]
2005. Das zum Bosch-Konzern gehörende Werk zählt 385 Beschäftigte und ist weltweit führender Sägeblatthersteller; der 2. Sektor stellt rund 55 % der Arbeitsplätze der Gemeinde.[1]
Bevölkerung von St. Niklaus
Quellen und Referenzen: [1][3]
| 1798 | 450 Einwohner |
| 1850 | 551 Einwohner |
| 1900 | 922 Einwohner |
| 1950 | 1'604 Einwohner |
| 2000 | 2'304 Einwohner |
| 2025 | 2'346 Einwohner |
Historische Orte in St. Niklaus
Kirche St. Nikolaus und Zwiebelturm. Kirche der ehemaligen Grosspfarrei des Mattertals, deren 1272 belegtes Patrozinium der Gemeinde den Namen gab. Ihr Zwiebelturm aus dem 17. Jahrhundert ist das Wahrzeichen des Dorfes.[1]
Meierturm und Bergführermuseum. Turm im alten Dorfzentrum, der seit 2000 ein Bergführermuseum beherbergt, ergänzt durch eine Mineralienausstellung und ein Heimatmuseum. Er soll auf 1273 datiert sein und als ältestes erhaltenes Gebäude des Mattertals gelten.[2]
Ehemaliges Grand Hotel. 1867 von der Gemeinde erbautes Hotel aus der Zeit, als St. Niklaus Etappenort am Weg von Visp nach Zermatt war. Bei der Ansiedlung der Scintilla 1947 wurde es zur Fabrik umgebaut.[1]
Gasenried. Bergschaft am Osthang, ehemaliger Distrikt, der 1798 eine Gemeinde wurde und sich 1870 St. Niklaus anschloss.[1]
Herbriggen. Ortschaft im Tal, seit 1933 eigene Pfarrei.[1]
Überreste in St. Niklaus
Keltische Gräber. Etwa zwanzig Steinkistengräber aus der Latènezeit, entdeckt 1881, und eine Grabstätte aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. mit Armspangen und Schmuck, freigelegt 1971.[1]
Sagen von St. Niklaus
Der heilige Nikolaus und der Bergsturz. Der Überlieferung nach wollten zwei Kobolde den Dorftossen zum Einsturz bringen, um das Tal zu verschütten, doch der heilige Nikolaus hinderte sie daran und rettete das Dorf. St. Niklaus Dorf soll selbst auf einem verschütteten Dorf stehen.
Quellen
- Historisches Lexikon der Schweiz, « St. Niklaus (VS) » (Bernard Truffer, version du 06.01.2012)
- Association des musées suisses (museums.ch), « Bergführer-, Heimat und Mineralienmuseum », St. Niklaus
- Office fédéral de la statistique (OFS), STATPOP, chiffres provisoires au 31.12.2025, via citypopulation.de
- geo.admin.ch, recherche de lieux (coordonnées de St. Niklaus)
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